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Wie Abhängigkeit Krisen auslöst oder verschärft

Ereignisse

Die Auslöser von Krisen sind vielfältig und nicht immer einfach zu identifizieren. Ein Zusammenhang ist jedoch offensichtlich: ausgeprägte Abhängigkeit von einem bestimmten Markt / Kunden oder einer einzelnen Ressource (Materialquelle, Schlüsselpersonal, Geldgeber) macht grundsätzlich anfälliger für Krisen oder kann zumindest in Krisen erheblich verschärfend wirken. Denn die Schwächung oder der Ausfall dieses einen Abhängigkeitsfaktors beeinträchtigt auf jeden Fall das betroffene Unternehmen erheblich.

Das Risiko für den Eintritt des oben beschriebenen Krisenfalles steigt dramatisch an, falls der betreffende Faktor unter der Kontrolle von Personen oder Organisationen steht, deren langfristige Strategie unklar oder möglicherweise sogar konträr zu Ihren eigenen Zielstellungen ist. Insbesondere im zweiten Fall müssen Sie jederzeit auf eine absichtlich herbeigeführte Krise vorbereitet sein.

Deutsche Abhängigkeiten

Obwohl dieser Zusammenhang so offensichtlich ist, wird er von den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft immer wieder sträflich ignoriert. Dies geschieht besonders häufig dann, wenn die Abhängigkeit kurzfristige Vorteile bietet. Wenn es dann „gut läuft“, ist die Motivation, sich aus der gefährlichen Abhängigkeit zu lösen, oftmals gering. Es entsteht ein „blind spot“ in der Risikoanalyse. Ein eklatantes Beispiel aus der Politik ist die selbst geschaffene, existentielle Abhängigkeit Deutschlands von anderen Ländern in drei wesentlichen Schlüsselfaktoren:

  • bezüglich der äußeren Sicherheit vom militärischen Schutzschirm der USA
  • bezüglich der Rohstoffversorgung von Russland
  • bezüglich der Absatzmärkte und vieler Lieferketten von der VR China.

Die Trump-Ära und der russische Überfall auf die Ukraine haben die ersten beiden Abhängigkeiten bereits offen zu Tage treten lassen, mit entsprechenden politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen.

Auch in Bezug auf die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von der VR China als Absatz- und Beschaffungsmarkt erfordert verantwortungsvolles Unternehmertum eine klare Risiko-Analyse und rasches und entschlossenes Handeln. Denn die sich verschärfende politische System-Auseinandersetzung hat bereits heute erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen (vgl. die Zoll- und Embargo-Politik der USA seit 2018). Es ist davon auszugehen, dass diese Auseinandersetzung zügig weiter eskalieren wird. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Aggression der VR China gegenüber der Republik China auf Taiwan und anderen (ebenfalls zumeist US-unterstützten) Nachbarländern wie Vietnam, Japan und den Philippinen.

Was tun?

Wer als Unternehmen heute mehr als 10% seines Absatzes in der VR China tätigt oder wesentliche Vorprodukte überwiegend oder gar ausschließlich von dort bezieht, steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Es gilt, diese Abhängigkeit innerhalb der kommenden 6-18 Monate drastisch zu reduzieren. Dies ist eine unumgängliche Maßnahme zur Krisenprävention, denn die Wahrscheinlichkeit für ein feindseliges Szenario ähnlich dem heutigen Verhältnis zu Russland ist hoch. Ökonomische Argumente, den Status-Quo beizubehalten, sind dabei irrelevant weil extrem kurzsichtig. Was nutzt es, weiterhin Ressourcen in den Ausbau von Geschäftsbeziehungen mit der VR China zu investieren, wenn diese morgen obsolet sind? Wer klug agiert, fokussiert sein Anstrengungen darauf, schnell neue Absatz- und Liefermärkte zu erschließen. Entscheidend dabei ist, erneute Abhängigkeiten von Ländern zu vermeiden, die wie die VR China dem freiheitlich liberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell feindlich gesonnen sind.

Welche Abhängigkeiten sehen Sie in Ihrem beruflichen (und privaten) Umfeld, in Ihrem Unternehmen? Wie beugen Sie vor, dass diese Abhängigkeiten nicht Krisen auslösen oder verschärfen?

28.09.2022

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